Interview mit Aktivist_innen

Blockade der RWE-Hauptversammlung in Essen geplant

Am 20. April 2011 soll die Jahreshauptversammlung der RWE-Aktionär_innen in Essen von 8.00 bis 13:00 Uhr blockiert werden. Wir interviewten zwei Aktivist_innen der Aktion gegen die RWE-Jahreshauptversammlung und fragten nach der Motivation für die Blockade und an was alles gedacht werden muss, wenn mensch sich an der Aktion beteiligen möchte.

Hallo, ihr seid in der Vorbereitung für die Blockade-Aktionen gegen die RWE-Jahreshauptversammlung der Aktionär_innen. Erzählt doch mal, wieso ihr die Hauptversammlung von RWE blockieren wollt.

Ruth Wech: Die Atomkatastrophe in Fukushima brachte in den letzten Wochen Hunderttausende auf die Straße. Als Reaktion auf den massenhaften Protest bemüht sich die schwarz-gelbe Regierungskoalition zurzeit um Schadensbegrenzung. Hatte sie vor einem Jahr noch die Laufzeitverlängerung der AKWs gegen massiven Widerstand durchgesetzt, so vollzieht sie nun eine hektische PR-Wende. Um die Atomwirtschaft durch ihre aktuelle Akzeptanzkrise zu bringen, versucht sie mit inszenierter Betroffenheit und einem dreimonatigen Moratorium, ihre Wähler_innenschaft zu beruhigen.
Dieses Kalkül geht bis jetzt nicht auf. Der Mehrheit der Menschen ist klar geworden, dass die Atomkraft keine Brücke, sondern vielmehr eine lebensgefährliche Sackgasse darstellt. Doch die Appelle Tausender auf Kundgebungen und Mahnwachen scheinen die Atomkonzerne nicht zum Einlenken zu bewegen.

Andi Tohm: Während die Meiler in Fukushima noch brennen, klagt RWE bereits gegen die vorübergehende Abschaltung seines berüchtigten Pannenreaktors Biblis A. Dieser hält mit insgesamt 843 registrierten Störfällen den traurigen Rekord als unsicherster Meiler der Bundesrepublik. Aus der Sicht von RWE ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar; stellt doch der marode, aber bereits abgeschriebene Reaktor für den Konzern eine wahre Gelddruckmaschine dar. Für die Rendite seiner Aktionär_innen ist dem RWE-Konzern offenbar kein Risiko zu groß.
Zusätzlich zu der extrem lebensgefährlichen Atom-Technologie ist der RWE-Konzern allerdings auch der größte CO2 -Luftverpesster Europas und betreibt im rheinischen Braunkohlerevier einen zerstörerischen Tagebau.

Nun ist der RWE-Konzern nur einer von vier Großkonzernen, die in Deutschland das Stromgeschäft unter sich aufgeteilt haben. Warum gerade RWE?

Ruth Wech: Natürlich sind Eon, EnBW und Vattenfall genauso schlimm wie RWE. Wir sind auf RWE gekommen, weil sie nach den Großdemonstrationen in den letzten Wochen gegen Atomkraft die ersten sind, die eine Jahreshauptversammlung abhalten. Und genau jetzt ist es sehr wichtig, anzufangen, den Druck auf die Konzerne zu erhöhen. Wir wünschen uns natürlich sehr, dass es auch massive Aktionen gegen die Eon-Hauptversammlung am 5. Mai. -ebenfalls in der Gruga-Halle- geben wird. Am Besten sollte die Massen-Blockade der RWE-Hauptversammlung ein Auftakt sein, die monopolistischen Atom- und CO2 -Stromerzeuger anzugreifen, um letztlich eine Energieversorgung zu erreichen, die den Menschen und der Umwelt gerecht wird. Die Entscheidungsgewalt, wo, wie und wie viel Strom erzeugt wird, sollte bei allen Menschen liegen! Der erste Schritt muss die Abschaltung aller Atomanlagen sein.

Also gut, es scheint also eine sehr wichtige und sinnvolle Aktion zu sein. Was ist denn euer genauer Plan? Was haben wir zu erwarten? Was ist zu tun am Mittwoch, den 20. April um 8:00 Uhr morgens?

Andi Tohm: Also, das Ziel ist ganz klar, die Aktionärsversammlung zu blockieren! Der Blockadebeginn ist pünktlich um 8:00 Uhr. Unser Plan ist, dass wir Blockierer_innen gut verkleidet, das heißt für die Polizei nicht von den Aktionär_innen unterscheidbar, direkt vor die Gruga-Halle strömen, um dann auf ein akustisches Signal hin den Eingang zu blockieren. Ob die Menschen dabei sitzen, liegen oder stehen ist uns dabei total egal. Wir freuen uns über alles. Seid also kreativ und denkt euch was Überraschendes aus.

Ruth Wech: Die Erfahrung der letzten Jahre bei ähnlichen Veranstaltungen in der Gruga-Halle ist, dass vor dem Haupteingang ein großes Zelt aufgebaut wird, welches als Schleuse genutzt wird. Dieses Nadelöhr muss dicht gemacht werden!
Eine ergänzende Idee ist, mit Wollknäulen (solche, die sich beim Werfen gut abwickeln) oder anderen Fäden, ein dichtes Netz zu spannen, um damit das Reinkommen zu erschweren. Also bringt reichlich Wolle mit.

Wie schätzt ihr die mögliche Repression ein?

Andi Tohm: Es kann natürlich passieren, dass die Polizei hart vorgehen wird, um einen reibungslosen Ablauf der Aktionärsversammlung zu garantieren. Es ist aber auch denkbar, dass schlechte Presse-Bilder befürchtet werden und die Polizei sich gesittet verhält. In jedem Fall sollten wir alles geben, um die Blockade wirkungsvoll zu gestalten.
Außerdem ist es wichtig, gut ausgeschlafen und nüchtern zu sein, sich was zu essen und trinken mitzubringen, den Ausweis nicht zu vergessen und bei gutem Wetter an die Sonnenschirme zu denken. Kommt nicht alleine sondern mit Freund_innen, mit denen ihr euch vorher über eure Ängste oder andere Probleme unterhalten habt.

Könnten sich interessierte Personen auch noch mal außerhalb des Internets informieren? Gibt es Schlafplätze?

Andi Tohm: Ja, das ist natürlich sehr wichtig. Es wird die Möglichkeit geben, von Dienstag auf Mittwoch im AZ Mülheim zu übernachten. Dort wird es am Dienstag ab 18:00 Uhr auch noch die letzten Infos sowie ein Aktionstraining geben. Es lohnt sich also auf jeden Fall, vorbei zu schauen.

Ruth Wech: Außerdem findet am Montag im Anschluss an die Essener Anti-Atom-Demo ein Blockadetraining vor der RWE-Zentrale statt.
Vielen Dank für das Interview. Kommt alle am 20. April um 8:00 zur Gruga-Halle und zeigt RWE, was ’ne Harke ist.

RWE abschalten!
Sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit!

Ein weiteres Interview findet ihr als Audiobeitrag bei Radio Dreyeckland.




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